Will nicht jeder von irgendjemandem
geliebt werden?
Eltern lieben ihre Kinder, die Kinder ihre
Kuscheltiere. Der Mann liebt seine Frau, die Frau – wen auch immer.
Aber: Wer liebt eigentlich - zum Beispiel die Zahnbürste und liebt
auch sie?
Wenn sie in ihrem Schneewittchen-Sarg liegt, kann sie schon
sehr schön sein, geradezu verlockend. Bin ich mehr der Maso-Typ,
wähle ich die „harte“, die Softies unter uns entscheiden sich
wohl eher für die „weiche“. So oder so. Eine gute Figur hat sie,
nimmt man sie in die Hand, fährt ihre Rundungen entlang – ein
schönes Gefühl. Dann die Borsten – wow. Mit geschlossenen Augen
die Fingerkuppen über ihre rauhe Oberfläche fahren lassen, ein
prickelndes Gefühl! Blinde könnten vermutlich die geheimen
Botschaften lesen, die die Nylonstoppeln senden.
Was sagt mir aber
die Zahnbürste, die Schöne? Nimm mich! Dann verwöhne ich sie,
creme sie ein, die matschige Konsistenz schmiegt sich an die Borsten,
dringt bis zum Körper meiner Schönen vor. Jetzt scheint sie eine
Krone zu tragen und strahlt, denn sie fühlt sich geliebt von ein
bisschen wohl duftender Chemie.
Doch sie wirklich lieben, die
Zahnbürste, das tue nur ich. Schmeißt sie sich doch richtig ins
Zeug für mich. Schenke ich ihr lange genug meine Aufmerksamkeit,
widme ihr ein paar Minuten Zeit am Tag, sorgt sie dafür, dass ich
diesen blöden Typ mit dem kreischenden Bohrer nicht ertragen muss
und dass mein Atem kussfrisch bleibt – das kann schließlich nie
schaden.
Liebe Zahnbürste, ja ich liebe Dich. Ohne Dich wäre mein
Leben ein anderes, ein einsameres, ein schmerzhafteres. Auch wenn Du
mich nicht allzu lange begleitest, verspreche ich Dir, Dich nicht zu
vergessen. Vielleicht wirst Du mal ein wenig Platz machen müssen für
die weniger schöne Konkurrenz, die nur mit Watt ihre Dienste
verrichten mag. Aber Du wirst immer die erste Wahl, meine große
Borsten-Liebe bleiben. Versprochen ist versprochen.
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