Donnerstag, 9. Juli 2015

Zahnbürsten-Liebe

Will nicht jeder von irgendjemandem geliebt werden?

Eltern lieben ihre Kinder, die Kinder ihre Kuscheltiere. Der Mann liebt seine Frau, die Frau – wen auch immer. Aber: Wer liebt eigentlich - zum Beispiel die Zahnbürste und liebt auch sie? 

Wenn sie in ihrem Schneewittchen-Sarg liegt, kann sie schon sehr schön sein, geradezu verlockend. Bin ich mehr der Maso-Typ, wähle ich die „harte“, die Softies unter uns entscheiden sich wohl eher für die „weiche“. So oder so. Eine gute Figur hat sie, nimmt man sie in die Hand, fährt ihre Rundungen entlang – ein schönes Gefühl. Dann die Borsten – wow. Mit geschlossenen Augen die Fingerkuppen über ihre rauhe Oberfläche fahren lassen, ein prickelndes Gefühl! Blinde könnten vermutlich die geheimen Botschaften lesen, die die Nylonstoppeln senden. 

Was sagt mir aber die Zahnbürste, die Schöne? Nimm mich! Dann verwöhne ich sie, creme sie ein, die matschige Konsistenz schmiegt sich an die Borsten, dringt bis zum Körper meiner Schönen vor. Jetzt scheint sie eine Krone zu tragen und strahlt, denn sie fühlt sich geliebt von ein bisschen wohl duftender Chemie. 
Doch sie wirklich lieben, die Zahnbürste, das tue nur ich. Schmeißt sie sich doch richtig ins Zeug für mich. Schenke ich ihr lange genug meine Aufmerksamkeit, widme ihr ein paar Minuten Zeit am Tag, sorgt sie dafür, dass ich diesen blöden Typ mit dem kreischenden Bohrer nicht ertragen muss und dass mein Atem kussfrisch bleibt – das kann schließlich nie schaden. 

Liebe Zahnbürste, ja ich liebe Dich. Ohne Dich wäre mein Leben ein anderes, ein einsameres, ein schmerzhafteres. Auch wenn Du mich nicht allzu lange begleitest, verspreche ich Dir, Dich nicht zu vergessen. Vielleicht wirst Du mal ein wenig Platz machen müssen für die weniger schöne Konkurrenz, die nur mit Watt ihre Dienste verrichten mag. Aber Du wirst immer die erste Wahl, meine große Borsten-Liebe bleiben. Versprochen ist versprochen.

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