Donnerstag, 9. Juli 2015

Liebeshaltbarkeit

Ob Liebe nicht eigentlich ein Mindesthaltbarkeitsdatum erhalten sollte? 

Zu oft hört man „ich liebe Dich“ und denkt: Wow – das ist jetzt bis in alle Ewigkeit so. Doch schon nach Ablauf einer oft nur sehr begrenzten Zeit hat sich die Liebe verflüchtigt wie Parfum auf meiner Haut. Ich suche sie überall, schaue nach in seinen Augen, versuche sie zu erspüren an Berührungen, kann sie in keinen Gesten entdecken. 

Was ist passiert? Nutzt sich Liebe ab, wenn man sie zu oft empfindet oder wenn man zu viel über sie spricht? Nein, sie geht im Alltag verloren. Da sind Rechnungen zu bezahlen, Autos zu reparieren, Hausarbeiten zu erledigen, Aufreger im Job zu verkraften, familiäre Probleme zu bewältigen. Das ist zu viel Alltag für Liebe. Liebe braucht Zeit, Freiräume für Ideen und das Ausleben von Phantasien. Sie muss ausgeführt werden wie ein Hund. Jeden Tag mehrfach. Einfach nur Zeit für die Liebe aufbringen. 

Was gefällt mir eigentlich an meinem Partner, warum empfinde ich das, was ich fühle? Ist sein Lachen nicht immer noch das, was ich mal so attraktiv fand? Sind seine Hände nicht immer noch die, die mich so zärtlich berühren können? 
So wäre es möglich, das Haltbarkeitsdatum zu verlängern, wenn wir uns Zeit nähmen, wenn wir Lust hätten, daran zu arbeiten. Man muss jedoch auch wissen, dass, selbst wenn die einst große Liebe nicht mehr aufregend und atemberaubend ist, sie vielleicht trotzdem noch existiert. Nur kleiner und unscheinbarer und anders. 

Liebe gibt es in so vielen Variationen! Füreinander da zu sein, einander zuzuhören, sich zu sorgen, sich miteinander zu freuen, sich für das Leben des anderen zu interessieren – auch das ist Liebe. Auch auf diese Liebe lässt sich bauen und mit ihr ein Lebensglück finden. 

Also macht die Sache mit dem aufgedruckten Stempel wohl keinen Sinn, denn das Datum, an dem die Liebe verloren geht, ist so variabel, wie die Menschen, die sie empfinden.

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