Ob Liebe nicht eigentlich ein
Mindesthaltbarkeitsdatum erhalten sollte?
Zu oft hört man „ich
liebe Dich“ und denkt: Wow – das ist jetzt bis in alle Ewigkeit
so. Doch schon nach Ablauf einer oft nur sehr begrenzten Zeit hat
sich die Liebe verflüchtigt wie Parfum auf meiner Haut. Ich suche
sie überall, schaue nach in seinen Augen, versuche sie zu erspüren
an Berührungen, kann sie in keinen Gesten entdecken.
Was ist
passiert? Nutzt sich Liebe ab, wenn man sie zu oft empfindet oder
wenn man zu viel über sie spricht? Nein, sie geht im Alltag
verloren. Da sind Rechnungen zu bezahlen, Autos zu reparieren,
Hausarbeiten zu erledigen, Aufreger im Job zu verkraften, familiäre
Probleme zu bewältigen. Das ist zu viel Alltag für Liebe. Liebe
braucht Zeit, Freiräume für Ideen und das Ausleben von Phantasien.
Sie muss ausgeführt werden wie ein Hund. Jeden Tag mehrfach. Einfach
nur Zeit für die Liebe aufbringen.
Was gefällt mir eigentlich an
meinem Partner, warum empfinde ich das, was ich fühle? Ist sein
Lachen nicht immer noch das, was ich mal so attraktiv fand? Sind
seine Hände nicht immer noch die, die mich so zärtlich berühren
können?
So wäre es möglich, das Haltbarkeitsdatum zu verlängern,
wenn wir uns Zeit nähmen, wenn wir Lust hätten, daran zu arbeiten.
Man muss jedoch auch wissen, dass, selbst wenn die einst große Liebe
nicht mehr aufregend und atemberaubend ist, sie vielleicht trotzdem
noch existiert. Nur kleiner und unscheinbarer und anders.
Liebe gibt
es in so vielen Variationen! Füreinander da zu sein, einander
zuzuhören, sich zu sorgen, sich miteinander zu freuen, sich für das
Leben des anderen zu interessieren – auch das ist Liebe. Auch auf
diese Liebe lässt sich bauen und mit ihr ein Lebensglück finden.
Also macht die Sache mit dem aufgedruckten Stempel wohl keinen Sinn,
denn das Datum, an dem die Liebe verloren geht, ist so variabel, wie
die Menschen, die sie empfinden.
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