Donnerstag, 9. Juli 2015

Kater Charlies Brief

Liebe Mama Antonietta,
ich wollte dir doch mal sagen, wie es mir inzwischen so ergangen ist.

Also nach dieser furchtbaren Kiste, in die sie mich eingesperrt haben (den Typen mit der dunklen Stimme und den lauten Schritten hasse ich noch heute dafür!), wurde ich in einem Zimmer mit kalten, glatten Steinen wieder herausgelassen. Da bin ich sofort in dieses Becken gesprungen, was ich zu Hause auch hatte. Man, war ich fertig! Balu ist gleich ins Katzenklo geflitzt, ich dachte, der bekommt einen Herzschlag.

Als es dann dunkel und ganz ruhig wurde, bin ich raus aus dem Becken und habe mich erst einmal umgesehen. Mein oberstes Ziel war es, ein tolles Versteck zu finden, wo mich diese komischen Zweibeiner nicht entdecken würden. Und stell dir vor: Ich fand es. Also kroch ich schnell hinein und habe mich fortan mucksmäuschen-still verhalten. Ich hörte wohl, dass die unbehaarten Zweibeiner meinen Namen riefen, aber bin ich denn blöd? Nee - ich blieb in meinem Versteck. Nur nachts habe ich mich rausgewagt, um mal Pipi zu machen oder ein bisschen was zu fressen. Obwohl ich gar keinen rechten Appetit hatte. Du hast mir doch so gefehlt! Und ich habe dem Zweibeiner mit der lauten Stimme zweimal eine dicke Wurst auf den weichen Boden vor seiner Schlafstelle gelegt. Das war meine persönliche Rache!

Balu ließ sich inzwischen weich klopfen, das habe ich mitbekommen. Der Zweibeiner mit der lieblichen Stimme hat ihn immer gelockt, ihm Fressen ins Klo gereicht (das hat der Kerl auch noch angenommen, der Blödian!), ihm das Fell gekrault. Na, ein bisschen neidisch war ich ja doch, denn das Schmusen fehlte mir sehr.

Und dann kam der Tag, an dem Balu mich verraten hat. Stell dir vor. Der entdeckt mich und will auch in mein Versteck krabbeln. Aber da passten wir beiden natürlich nicht hinein. So wurde der Zweibeiner, der sich immer um uns bemühte, auf ihn aufmerksam und plötzlich verschwand mein Versteck und sie fanden mich. Man, war das Geschrei groß. Der böse Zweibeiner sah mich an, da habe ich mich gleich wieder so erschreckt, dass ich durch die ganzen Zimmer in das hinterste flüchtete. Da fand mich dann die liebliche Stimme und säuselte mir ins Ohr. Dann berührte sie auch noch mein Fell und in dem Moment habe ich mich dann auch verliebt. Mir gefiel das Kraulen und das nette Ansprechen so gut! Habe mich gekugelt vor Freude und die Pfoten des Zweibeiners abgeleckt. Also dieser Zweibeiner, der ist wirklich toll! Der spielt auch immer mit mir. Es gibt da so eine Maus mit Fell dran - sieht aus wie eine echte. An der habe ich viel Spaß! Der nette Zweibeiner schießt sie mir weg und ich hole sie zurück und lege sie wieder vor ihn hin. Das Spiel könnte ich stundenlang spielen!
Balu kommt inzwischen auch manchmal aus seinem Versteck (er hat jetzt ein neues, nämlich unter den Schüsseln, in die immer Wasser fließt). Der guckt mich aber immer nur verständnislos an, wenn ich Freude an den kleinen Spielchen zeige.
Das Tollste ist übrigens, wenn der nette Zweibeiner mir die Fleischstangen, die du, liebe Mama, mir sonst auch immer gegeben hast, in kleine Stücke pflückt und diese auf dem herrlich glatten Boden entlangschießt. Da kann ich so richtig hinterher hechten und sie dann noch fressen.
Apropos Fressen: Die stellen mir immer komisches Futter hin. Die harten Körner, die ich zu Hause auch immer bekam, schmecken mir hier irgendwie nicht so richtig. Liegt vielleicht an der Luftveränderung. Dann bekomme ich manchmal Fressen aus Dosen. Das ist so matschig - mag ich nicht. Und um das zu zeigen, verscharre ich es dann erst mal demonstrativ. Komisch, dem Balu scheint das zu schmecken.
Und stell dir vor, wenn ich bei denen aus dem Fenster schaue, sehe ich überall Grün, das sich herrlich im Wind bewegt. Abends tanzen Insekten vor dem Fenster. Leider komme ich da nicht dran. Und komische Tiere laufen vor der Tür herum. Die sind so stachelig und der nette Zweibeiner stellt denen immer das Fressen hin, das ich nicht mochte. Also spannend ist es hier schon, wenn nur der doofe Zweibeiner nicht da wäre. Aber den klopfe ich auch noch weich.
Gestern habe ich mit dem netten Zweibeiner auf dem Kissen gelegen und in so einen viereckigen Kasten geschaut, in dem sich laufend was bewegt. Man, habe ich mich da wohl gefühlt! Bis dann plötzlich so ein lautes Klingeln zu hören war. Diese Geräusche hier machen mich ganz verrückt! Ständig erschrecke ich mich vor irgend etwas und muss schon wieder in meine Lieblingsecke hinter dem Nachtlager des netten Zweibeiners sausen.
Sogar Balu hat es gestern gewagt, ganz kurz einmal auf das Plätzchen des netten Menschen zu springen. Aber der ist ja ein richtiger Schiss-Hase. Der findet den doofen Zweibeiner auch voll daneben.
Und stell dir vor: endlich haben die es auch kapiert, dass ich soooo gerne das braune süße Zeug esse, was die immer im Knisterpapier haben. Hmmm, das durfte ich gestern mal schlecken, das war gut! Heute morgen habe ich es dann sogar mal gewagt, von dem doofen Zweibeiner was von der Kralle zu schlecken. Das war so ein hell-gelbes cremiges Zeug, das er sich jeden Morgen auf sein Fresschen schmiert. Das duftete einfach so köstlich, das ich nicht widerstehen konnte. Es ist gut gegangen. Der Zweibeiner hat mich nicht noch einmal gepackt und ich glaube, ich kann jetzt auch dem vertrauen.
Also, liebe Mama Antonietta. Du siehst, es geht mir gut. Ich denke, ich kann mich an dieses neue Zuhause gewöhnen. Aber dich und euch werde ich bestimmt nie vergessen. Vielleicht kommst du uns mal in ein paar Wochen besuchen?

Ich schicke dir einen ganz lieben Schnurrer!

Charlie

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