Montag, 29. November 2021

Ein Virus schleicht sich ein

 

Ein Virus schlich sich ein – ganz heimlich und gemein.

Ernährte und vermehrte sich im Menschen Leib.

Es nahm dem Mann das Weib, dem Weib die Mutter

Und brauchte noch mehr Futter.

Man wollte retten, was zu retten war

und holte Kranke in großer Schar

in die Häuser, wo alles war,

nur Ausrüstung und Gerät waren rar.

So waren es schnell zu viele, die lagen dort in Flur und Diele.

Die Helfer der Verzweiflung nah

verfluchten bald das Virus Co-Ro-Na.

Es galt, um ihm die Vermehrung zu verwehren

Plätze, Bühnen und Schulen schnell zu leeren.

Da siechten Kultur und Bildung prompt dahin.

Sogar im Freien war es nicht erlaubt

zu sein, zu sitzen und abzulegen das Haupt.

Manch einer suchte vergebens nach dem Sinn.

Doch Regeln und Gesetze müssen sein

In diesem Land der Dichter und der Denkerlein.

Ob's Sinn macht oder nicht, der Mensch ist drauf erpicht,

will folgen treu und brav – der Vergleich liegt nah:

Ist er ein Schaf?

Jeder will den anderen retten. Doch eines möcht man wetten:

Die Rettung eigener Haut ist der Wahrheit Kern,

aber sieht sich nicht jeder als Samariter gern?

Drum gilt es daheim zu bleiben, den anderen zu halten fern.

Nicht küssen, nicht umarmen – und tät man es noch so gern.

In der Freizeit bastelt der Brave Masken zum Schutz,

Die tragen jetzt als Modeschmuck die Dagmar und der Lutz.

Zum Wohl der Gemeinschaft opfert man der Arbeit Lohn.

Da ist die Kasse leer zur Monatsmitte schon.

Die anderen schuften für die Arbeitslosen mit, bekommen Lohn und bleiben fit.

Dafür muss man danke sagen ohne eine freche Lippe noch zu wagen.

Wenn Covid dann eines Tages abdankt, sind die Menschen verzankt.

Keiner nimmt den anderen in den Arm oder reicht ihm noch die Hand.

Die Menschen haben sich geändert, geformt ein neues Land.

Ob es je wieder ein so liebenswertes wird, man wird ja sehen.

Denn Viren kommen und Viren gehen.

Das nächste verschafft sich gerade eine neue Tarnung,

denn Covid war nur eine erste Warnung.

Dienstag, 26. Dezember 2017

Grit und die Geister in der Flasche

Grit war eine durch und durch fröhliche Frau. So fröhlich wie der Tanz der Sonnenstrahlen auf dem Glas in ihrer Hand. Ihre positive Ausstrahlung gefiel den Menschen. Jeder war gerne mit ihr zusammen, weil er hoffte, dadurch ein wenig abzubekommen von der Energie und dem Glück, das in ihr zu wohnen schien. Und weil sie Mitleid hatte mit diesen Menschen, die in ihrem tristen, langweiligen und nur um sich selbst drehenden Leben scheinbar vor sich hinwelkten, schenkte sie ihnen gerne Zeit. Sie konnte beobachten, wie sie sich in ihrer Gegenwart wie eine dürstende Blume aufrichteten und aufblühten – für diese kurze Weile lang. 
🌺

Mit der Zeit aber zehrte das Spenden von Zeit- und Lebenssaft an ihren Kräften. All der Gram der anderen zog nach und nach in ihre Seele ein. Erst merkte sie es kaum. Doch bald schon lag sie nachts lange wach in ihrem Bett und versuchte die Probleme der anderen zu lösen. Die Sorgen der anderen raubten ihr ihren Frohsinn. Es wich der Glanz aus ihren Augen, ihre Wangen wurden fahl. Nicht einmal etwas essen mochte sie mehr. Dabei war das früher doch ein solcher Genuss für sie. Eine Brotscheibe mit Schokoladencreme, ein feurig gewürzter Eintopf oder die herrlich frische Zitronencreme mit geschlagenem Eiweiß – dafür gab sie alles! Doch nichts davon wollte ihr mehr schmecken. Alles roch ähnlich fad wie ihr die Lebensläufe ihrer Bekanntschaften erschienen. Die merkten natürlich schnell, dass etwas nicht mit ihr stimmte, sie nicht mehr ihren Seelenmüll aufnahm. Und genau so schnell zogen sie sich aus ihrem Leben zurück. 

💔

Als Grit schließlich richtig arg krank wurde, gab es niemanden, der für sie da war. Niemand wollte ihr seine Zeit schenken, ihr zuhören oder sie einmal in den Arm nehmen. Das wäre viel zu anstrengend gewesen. Sogar ihre Familie wandte sich ab. Ihre besten Freunde waren jetzt die prickelnden Geister in den Flaschen, die sie überall in der Wohnung verteilte. Diese Geister amüsierten sie, brachten sie zum Lachen und ließen sie mit weit ausgebreiteten Armen tanzen. Und wenn sie achtgab und immer genügend Geister in sich behielt, gab es keine Probleme am Morgen oder bei der Arbeit. Sie fühlte sich frisch und leicht, obwohl tief in ihr eine Stimme sie warnte. Das würde kein gutes Ende nehmen. Darauf wollte und konnte sie inzwischen auch nicht mehr hören. Sie ließ die Geister weiter gewähren. Auf dem Weg zur Tankstelle, wo sie am bequemsten ihre Flaschen-Vorräte auffüllen konnte, gab ein Pflasterstein ihrem Leben eine neue Wendung. Ihrem schlurfenden Gang war er zum Hindernis geworden. Ehe sie sich versah, lag sie auf dem Boden wie ein Maikäfer auf dem Rücken. 
🐞

Sie wusste nicht, ob sie sich mehr Sorgen machen sollte über die Peinlichkeit der Situation oder über ihre Hilflosigkeit. Noch ehe sie den Gedanken zu Ende geführt hatte, umstanden sie plötzlich etliche Menschen. Sie beugten sich über sie und erkundigten sich, ob sie sich verletzt hatte, ob man helfen könne. Jetzt erst spürte Grit den stechenden Schmerz im Bein – nicht genau lokalisierbar. Irgendwie tat alles weh. Sie hörte, wie die Leute einen Krankenwagen anforderten. Sich dagegen zu wehren, was ihr erster Instinkt war, dazu fehlte ihr die Kraft. Schon wenige Minuten später fand sie sich auf einer Sanitätsliege wieder, wurde in einen Krankenwagen verfrachtet und in ein Krankenhaus gefahren. Welches es war, wusste sie nicht, es interessierte sie auch nicht. Hauptsache, der Schmerz wurde ihr genommen. Es stellte sich heraus, dass das rechte Bein gebrochen war. Eine Operation war nötig. Als sie wieder aufwachte, fühlte sich das Bein bleischwer an. Ein dicker Gipsverband zierte es. So wie es aussah, würde sie wohl eine ziemlich lange Zeit in diesem Krankenhaus verbringen müssen. Wie sollte sie von hier aus den Geistern in ihr das geben, wonach sie verlangten? Natürlich war es den Ärzten nicht verborgen geblieben, dass sie gerne, häufig und viel Alkohol konsumiert hatte. 
🍷

Wenn man sehen konnte und wollte, erkannte man es schon an ihrer Haut. Dort hatte das Zellgift seine Spuren hinterlassen. Die vielen roten Äderchen im Gesicht hatte sie früher nicht. Auch war es in den besseren Zeiten nicht so aufgedunsen. Schön anzusehen war sie heute wirklich nicht mehr. Die Ärzte kümmerten sich jetzt nicht nur um die Heilung des gebrochenen Knochens, sondern auch um die Vertreibung der Geister. Sie wurde auf Entzug gesetzt. Die ersten Tage waren besonders hart. Krampfanfälle und Schüttelfrost ließen sie beinahe verzweifeln. Und niemand war da, der ihr half, das durchzustehen. Als es eines Tages an der Tür klopfte und gleich darauf eine junge Frau mit einem sehr komischen Hund eintrat, war Grit erstaunt. 

🐕

Sie kannte die Person nicht und mit Hunden hatte sie nichts am Hut. Sie machen nur Dreck, sind laut und beanspruchen ständig die Aufmerksamkeit. Jedenfalls redete sie sich das ein, seitdem der Hund, den sie als Kind inniglich geliebt hatte, Opfer der Scheidung ihrer Eltern wurde und in einem Tierheim landete. Das hatte ihr das Herz für Tiere gebrochen. Dennoch hielt sie jetzt etwas davon ab, sich brüsk abzuwenden, wie sie es sonst tat, wenn jemand kam, um ihr Gottes Botschaft zu verkünden oder sonst welche Belästigungen auf Lager hatte. Die Frau strahlte so viel Sympathie aus, dass Grit sie sogar anlächelte. Sie begrüßte Grit, nannte sie gleich beim Namen und legte ihr wie eine Freundin die Hand auf die Schulter. Grit empfand das wie ein liebevolles Streicheln. Die Besucherin stellte sich und den Hund Peggy vor. Ein großer schwarzer Irgendwas, ein wunderschönes Tier. Auch er war Opfer einer Scheidung geworden. Niemand wollte ihn mehr, niemand hatte Zeit für ihn. Grit meinte, einen Seelenverwandten in ihm zu finden, als sie seine Geschichte erfuhr. Ihr Herz, das in all den Jahren hart wie Granit geworden war, wurde plötzlich ganz weich. Und Tränen rannen ihr über die Wangen. 
😢

Das ganze Elend, das sich bei ihr eingenistet hatte, floss mit diesen Tränen davon. Die Frau streichelte währenddessen einfach nur ihre Hand und blickte sie verständnisvoll an. Der Hund sprang auf das Krankenbett und machte es sich auf den Füßen der Patientin gemütlich. Sicher war das nicht erlaubt hier – hoffentlich kam nicht gerade jetzt eine Schwester herein. Denn Grit war glücklich wie schon ewig nicht mehr. Nach einer viel zu kurzen Zeit verabschiedete sich die Besucherin, zu der sie jetzt Greta sagen durfte. Hund Peggy ließ sich noch einmal den Kopf streicheln. Dann war das Glück mit den beiden hinausgegangen. Grits Herz klopfte wie verrückt. Sie spürte das Leben in sich. Morgen wollte Greta wiederkommen. Und weiter jeden Tag bis zu Grits Entlassung aus dem Krankenhaus. Jeder dieser kommenden Tage wirkte auf ihre Seele ein. Am Ende war sie mehrfach geheilt. Die Geister in ihr waren verstummt, das Herz schlug wieder froh und hoffnungsvoll und das Bein – nun da brauchte es wohl noch ein wenig Krankengymnastik. Das Allerschönste aber war, dass sie zu Hause nicht mehr allein sein würde. Jemand, den sie lieben und verwöhnen konnte, würde dort auf sie warten. Mischlingshund Peggy durfte vom Tierheim, wo Greta arbeitete, zu ihr ziehen. Da würden sie sich nun gegenseitig Freude in jeden noch so verflixten Tag bringen. Und auch Greta hatte versprochen, ihr ab und zu einen Besuch abzustatten. Denn Grit hatte davon erzählt, dass ihre selbst gebackenen Waffeln früher bei Nachbarn und auf Straßenfesten immer der Renner waren. Ein altes Familienrezept, um einige geheim gehaltene Zutaten ergänzt, ließen das Gebäck zu einer wahren Köstlichkeit werden. 
🍥

Im Laufe der Monate verwandelte sich Grit zurück in die fröhliche Frau, die mit beiden Beinen im Leben stand. Aus Dankbarkeit für diesen rettenden Wink des Schicksals schloss sie sich einer Gruppe der Anonymen Alkoholiker an, um dort anderen Betroffenen zu helfen, einen Weg für sich zu finden, der sie wegführt von Flasche und Glas. Peggy war stets an ihrer Seite und ein wertvoller Assistent, der Brücken baute zu den Menschen. Um nicht wieder in den Sog der Sorgen der anderen hineinzugeraten, im Strudel ihrer Nöte zu ertrinken, hatte Grit sich einen Trick ausgedacht. Sobald das Päckchen Lebenslast, das man ihr reichte, zu schwer wurde, packte sie zu Hause ein echtes Paket. Dort hinein legte sie symbolisch all das, was die anderen belastet hatte. Dann wickelte sie es in Packpapier und schickte es mit der Post an eine Adresse, die in keinem Telefonbuch der Welt zu finden war. Ebenso verhielt es sich mit der Angabe des Absenders. Auf diese Weise war ihre Seele immer frei und unbelastet. Die Postbediensteten werden sich allerdings gewundert haben, über den „Spinner“, der ständig Pakete ohne Inhalt an unbekannte Adressen schickt.  

📦

Donnerstag, 9. Juli 2015

Der Apfelbaum und die Ulme - eine Geschichte für jung Gebliebene

In dem großen Garten bei der Windmühle stand ein Apfelbaum. 

Obwohl er schon etliche Jahre auf dem Buckel hatte, hatte er noch in keinem Jahr geblüht und Früchte getragen. Es ist jetzt Ende April, und auch dieses Jahr scheint die Blütezeit am Baum erfolglos vorbeizugehen.
Doch was ein guter Apfelbaum werden soll, braucht Zeit und Geduld. Das jedenfalls flüsterte die nahestehende große und alte Ulme durch ihre Blätter dem Apfelbaum zu. „Es wird schon werden“ sagte sie. Der Apfelbaum war erleichtert. Wenigstens ein Mitbaum, der seine Sorgen anhörte und Trost spendete. Nur, wie es werden würde, das stand wohl in den Sternen. 

Ein kleines Mäuschen, das im geschnittenen Gras saß, das um den Baumstamm herum angehäuft war, hatte das Gespräch der beiden Bäume verfolgt und meldete sich jetzt zu Wort: „Ihr seid mir ein hervorragender Schutz und eine Herberge. Unter Eurer festen Baumordnung läßt sich gut leben. Was hat der Apfelbaum nur für Sorgen?! Ich dagegen habe vier Beine und könnte als Nachrichtenübermittler dienen. Wir sollten kooperieren." Vielleicht wäre die Maus tatsächlich hilfreich für den Apfelbaum. Sie könnte sich für ihn einmal umschauen in den benachbarten Gärten, ob dort womöglich ein anderer Apfelbaum stehe. Nur einen seiner Äste wollte der traurige Baum haben. Diesen eine zeitlang mit den eigenen Ästen umarmen – wie schön das wäre.  
Sich dies auszumalen, erschreckte die Maus. Wie sollte sie den Ast eines anderen Apfelbaumes transportieren?! Es musste eine andere Lösung her: Sie könne von Apfelbaum zu Apfelbaum eilen. Dann könne sie frohe Bekundungen erhalten und mitteilen. Das könnte helfen. Sie müsse aber auf der Hut sein wegen etlicher „Mäusejäger". Doch sie werde es wagen. Auch wolle sie Kontakt zu den fleissigen Bienen aufnehmen, damit diese sich emsig eine Besamung des Apfelbaumes vornehmen. Das wären viele, viele Umarmungen. Der Apfelbaum kicherte vor sich hin. Das würde sicherlich sehr kitzeln. 
Die Maus als Bienen-Botschafter – die Idee gefällt dem Baum. Damit dem kleinen Tier bei seinem überlebenswichtigen Auftrag kein Leid geschehe, wollte er die beiden alten Krähen bitten, es zu begleiten. Sie sollten, wenn nötig, Katzen und anderen Mäusefeinden den Garaus machen. Direkt am nächsten Morgen, als sich die großen schwarzen Vögel auf den obersten Ästen des Apfelbaumes niedergelassen hatten, beschlossen sie, den ersten Versuch zu wagen. 
Die Maus mit ihren kleinen, aber schnellen Füßen fand geschwind einen Apfelbaum ganz in der Nähe. Aber wo waren die Krähen? Mit großem Flügelschlag waren sie schon meilenweit vorausgeflogen und rasteten auf der Ulme – mit Ausschau nach der Maus. Die Ulme brummte: „Das war wohl nichts mit dem Schutz der Maus! Alles zurück zum Ausgangspunkt und einen nächsten Versuch wagen. So klappt das nicht. Ihr müsst besser koordinieren! Das war keine gute Abstimmung!“ 
Zu einem neuen Geleit-Flug hatten die Krähen aber gar keine Lust, zumal sie sahen, dass die Maus unbeschadet den nächsten Apfelbaum erreicht hatte. Hier auf der Ulme saß man wunderbar, genoss einen tollen Ausblick und die unscheinbaren Blüten des Baumes verströmten einen verführerischen Duft. Sie beobachteten die Bienen, wie sie sich an den Blüten labten. Da kam der älteren Krähe die Idee, nicht weiter nach geeigneten Apfelbäumen zu suchen. Sie öffnete den Schnabel, nahm ein paar der fleißigen Insekten darin auf und besann sich dann doch eines Besseren: Sie schaute ihrer Krähendame tief in die Augen, blinzelte dabei ein wenig, machte einen verliebten Schwenk mit ihrem Schwanz, erst nach rechts, dann nach links. Das war ein deutliches Signal dafür, dass Krähenkavalier und Krähendame sich lieben sollten. Und das taten sie. Die Maus sah das piepsend und freudestrahlend und dachte: haben die es gut. Die haben jetzt andere Interessen, als mich zu unterstützen. Doch ich komme schon alleine zurecht und kümmere mich, wie dem Apfelbaum versprochen, um die Bienchen. Der Apfelbaum nickte zustimmend und erwartungsvoll. 

Die Bienen, die sich an den Blüten der Ulme gelabt hatten und die schon im Schnabel der Krähe gewesen waren, hatte das schlaue Mäuschen nämlich in einem Blätterdach aufgefangen. Bis die Insekten sich berappelt hatten, hatte die Maus sie schon eingewickelt, nahm das Bündel zwischen die Zähne und flitzte so schnell es ging zum Apfelbaum. Sie erkletterte seinen Stamm in Windeseile und entließ, auf einem dicken Ast angekommen, die Bienen. Die schauten sich erstaunt um und putzten sich dann erst einmal, wobei sie den ganzen Blütenstaub der Ulme aus ihrem Haarkleid kämmten. 

Nur ein paar Monate später galt es, ein wahres Blütenfest zu feiern. So schön, wie man es sich kaum ausdenken könnte. Die Bienen tummelten sich und schwirrten um die Wette mit rasender Geschwindigkeit, dass es einem fast Bang werden konnte. Die Maus tanzte auf ihren Hinterbeinen im Kreise herum – zum schwindelig werden, und die Ulme wog sich hin und her, um mit ihren Blättern ein großes Beifalls-Rascheln zu erzeugen. Die Raben sahen und hörten das aus der Ferne und machten große Augen vor Verwunderung, die bald in Begeisterung umschlug. Der Apfelbaum aber ruhte sehr zufrieden in sich, denn sein Fortbestand war jetzt endlich sicher. Was den Menschen nicht gelungen war – die Natur und ihre Kinder hatten es geschafft.

Chalkidiki-Reise im Jahr 2003

Wir erreichten Chalkidiki per Air Berlin ab Dortmund, Zielflughafen Thessaloniki. 

Da wir den ersten Flug morgens nahmen, verlief das Check-In und der Abflug sehr pünktlich. So erreichten wir schon kurz nach 9.00 Uhr griechischer Zeit (+ 1 Stunde) Thessaloniki, das salopp auch als Saloniki bezeichnet wird.
Uns ist sowieso aufgefallen, dass viele Orte mehrere Bezeichnungen haben und auch in verschiedenen Schreibweisen auftauchen.
Nachdem wir unsere Koffer vom Laufband genommen hatten, wurden wir gleich von den Mitarbeitern des Reiseunternehmens empfangen und den entsprechenden Bussen zugewiesen, die uns zu den Hotels bringen sollten.
Wir nutzten die Wartezeit auf einer Bank vor dem Flughafengebäude und betrachteten die ankommenden und abreisenden Touristen. Der Flughafen von Thessaloniki ist recht klein und einfach, ohne Komfort und ohne viele Sitzgelegenheiten. Aber wir hatten Urlaub und das war die Hauptsache.
Nachdem alle Gäste die Busse bestiegen hatten, erhielten wir eine kurze Einweisung, wie es weitergeht und schon starteten wir in Richtung unserer Urlaubsorte.

Da wir die einzigen Gäste waren, die nach Pefkochori gebracht werden sollten, verlud man uns auf halber Strecke in ein Taxi und schon flogen wir mehr oder weniger über die Landstraße (wir hatten Angst, diese Fahrt nicht zu überleben, denn der Fahrer hatte wirklich ein halsbrecherisches Tempo aufgelegt, wollte uns wohl zeigen, was sein Mercedes so hergibt) zu unserem Hotel.
Dort dann doch wider Erwarten gut angekommen, waren wir schon von dem Äußeren des Hotels sehr angetan. Die Anlage des Hotels Atrium machte einen sehr gepflegten Eindruck. Sie setzt sich aus mehreren Gebäuden mit max. 3 Stockwerken (die Treppen muss man allerdings schaffen, auch mit Koffer, denn es gibt keinen Aufzug) zusammen. Die Treppenaufgänge waren wendelförmig und obendrauf mit einem Turm versehen, was die Architektur sehr auflockert.

Unser Zimmer war zu so früher Stunde natürlich noch nicht fertig, doch wir brauchten nicht einmal eine halbe Stunde zu warten, bis wir einziehen konnten. Schöne Lage im dritten Stock mit Blick auf das Meer, Sonne am späten Nachmittag auf dem großen Balkon. Koffer muss man leider tragen - hier hilft auch trotz 4-Sterne-Hotels kein Angestellter.

Das Zimmer etwas klein, die Schubladen des Kleiderschrankes ließen sich z.T. nicht ganz aufziehen und die Balkontüren sich nicht ganz öffnen, aber ansonsten sauber und gepflegt.

Die Anlage bot viel zur Unterhaltung: Beach-Ball-Platz, Spielplatz, großer sauberer Pool, Poolbar (auch für den Aufenthalt am Abend - Sat-TV dort), Tischtennis, Billard. Leider haben die Griechen jedoch kein Gefühl für Lautstärke und Harmonie. So brüllten abends gleichzeitig die Lautsprecher die aktuellen Songs, während daneben der Fernseher so laut angestellt war, dass man nur noch flüchten konnte.

Nachdem wir die Koffer ausgepackt hatten, machten wir uns erst einmal auf eine Erkundungstour in den Ort.

Ein steiler, kurvenreicher Weg führt hinunter in den alten Dorfkern, in dem auch Griechen leben, in dem es besonders an den Wochenenden etwas lebhafter wird, weil viele Griechen auch hier ihre freie Zeit verbringen. Für uns war dieser Weg immer ein schöner Spaziergang, sowohl hoch als auch runter, man muss allerdings ein wenig auf die Autos achten, die die Fußgänger erst ziemlich spät sehen können aufgrund der Kurven. Möchte man diesen Weg meiden, fährt aber auch mehrmals täglich ein Shuttle-Bus in den Ort und zurück. Außerdem gibt es noch einen kleinen Weg, der direkt neben dem Hotel entlangführt, der allerdings vor einem Zaun endet, sofern man nicht über ein Baugrundstück wieder zurück auf die Straße geht.

Vom Ortskern Pefkochori waren wir sehr angenehm überrascht. Alles nur Häuser in niedriger Bauweise, schöne, gepflegte Häuser mit viel mediterraner Vegetation. Ein Fotomotiv jagt hier das nächste.
Dann kommt man auf den Platz „Old Square“. Idyllisch! Völlig autofrei, ein schöner Springbrunnen in der Mitte, zwei Tavernen (je nach Geldbeutel) und einige andere Geschäfte sind um den Platz angesiedelt. Hier (des Preises wegen in der griechischeren der beiden Lokalitäten) haben wir jeden Tag einen Toast gegessen, einen griechischen Kaffee getrunken (1,00 EUR billiger als in der Kneipe - Paul’s Place -gegenüber) oder ein Glas Retsina zelebriert. Ein Ort, an dem man herrlich entspannen kann!

Über die Hauptstraße (Hanioti-Chroussou) hinweg, führen mehrere Stichstraßen zum Strand. Die Straßen sehen zwar alle aus wie Fußgängerzonen, werden jedoch von den Einheimischen, die ohne Auto nicht sein können, immerzu befahren. In diesem Bereich gibt es jede Menge Supermärkte, Souvenirläden, Cafés und Restaurants. Wenn man alle kleinen Straßen und Nebenstraßen durchläuft, weiß man, was man getan hat.
Jetzt in der Nachsaison hatten jedoch schon viele Tavernen geschlossen, so dass die Auswahl nicht mehr sehr groß war. Es gab auch nicht viele Möglichkeiten, nur eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen oder etwas zu trinken. Alle Lokalitäten waren auf Gäste mit großem Hunger eingerichtet und hatten die Tische entsprechend gedeckt.

Der Strand war jetzt in der Nachsaison sehr wenig besucht, obwohl die Temperaturen in der ersten Oktober-Woche noch bei 30 Grad lagen. Die Stuhl- und Schirmverleihe hatten ihre Geschäftstätigkeiten bereits eingestellt. Doch wenn man das nicht braucht, kann man sich sehr schöne Plätze zum Liegen aussuchen. Besonders schön ist der Strand, wenn man die Strandpromenade so ca. 500 m Richtung Hanioti verfolgt. Breiter, feinsandiger bis feinkiesiger Strand, kristallklares Wasser (im Wasser keine Steine, nur kleine Fische), relativ langsam abfallend.

Am Strand, der direkt an das Ortszentrum von Pefkochori grenzt, gibt es eine Steinmole mit einigen Bänken und einem Leuchtturm-Torso. Auch hier kann man schön sitzen und das Treiben beobachten oder die gegenüberliegende Halbinsel Sithonia erspähen.
Leider verkehrten zu dieser Jahreszeit keine Boote mehr, die einen Ausflug nach Athos oder Sithonia anboten. Es gab nur noch die Möglichkeit, über ein Touristikunternehmeneinen entsprechenden Ausflug zu buchen, um die anderen Halbinseln zu besichtigen. Wir haben darauf verzichtet, denn Kassandra hatte eigentlich genug für 14 Tage zu bieten, wenn man auch ein wenig relaxen wollte.
Auch die Busse, deren Abfahrtzeiten am Hotel ausgehängt waren, fuhren nur noch selten, wir haben nur ein- oder zweimal überhaupt einen gesehen und eine Haltestelle war schon gar nicht auszumachen, aber das kennt man ja aus südlichen Ländern.

Also haben wir uns zu weiteren Erkundungen zunächst zu Fuß aufgemacht. Sowohl Richtung Chroussou als auch Richtung Hanioti gibt es schöne Wege parallel zur Hauptstraße und zum Strand. Man kann zum großen Teil auch direkt am Strand entlang laufen, wenn einem das nicht zu anstrengend ist.
Am Ortsende von Pefkochori Richtung Chroussou ist ein großer Beach-Club, leider verlassen und fällt so langsam in sich zusammen. Nur eine Lokalität ist noch in Betrieb gewesen. Eine Menge Sitzplätze mit Blick auf das Meer und die Kellner bringen die Getränke auch direkt an den Liegestuhl. Um die Landspitze herum ist das Meer voller Steine und Unrat, also lohnt es sich hier, nicht so genau hinzusehen.
Läuft man nun weiter, durchwandert man eine Wohnstraße mit verlassenen Häusern. Wer weiß, wann, ob und von wem die jemals alle besiedelt werden bzw. wurden. Schöne Häuser, viele verschiedene Baustile, durchaus einladend und lebenswert, aber jetzt eben leerstehend.
Das einzige, was einem hier begegnet, sind eine Handvoll halb verhungerter großer Hunde, die aber sehr freundlich gesonnen sind und sich freuen, wenn man sie einmal streichelt, noch mehr, wenn man ihnen ein bisschen Fressen bringt. Wie hier, wimmelt es im ganzen Ort von Hunden und Katzen, die ausgesetzt wurden und jetzt gejagt, getreten, beworfen und getötet werden. Nachts kommt man vor Heulkonzerten und Gebelle anfangs nicht in den Schlaf, aber man gewöhnt sich auch daran.
Dieser Weg jedenfalls war uns zu lang, um ihn bis zum Ende zu verfolgen (hätte weiter zu dem schönen Naturhafen in Chroussou geführt), weshalb wir an einer Beach-Bar (natürlich auch nicht mehr in Betrieb) einbogen und uns dort an den Strand legten. Einsamkeit pur um diese Jahreszeit. Ab und zu vielleicht mal eine alte Frau, die zum Angeln herkommt.

Am nächsten Tag liefen wir in Richtung Hanioti. Auch hier wieder alles parallel zum Strand und zur Hauptstraße entlang an kleinen Wohnhäusern und neu erstehenden Siedlungen. Es gibt immer mal wieder Stichstraßen, die man nutzen kann, um zum Meer zu gelangen, um sich dort ein wenig in den Sand zu legen und auszuruhen.
In einer Dreiviertelstunde erreicht man jedenfalls zu Fuß den Ort Hanioti. Auch hier wieder das gewohnte Bild: 80% der Hotels, Wohnungen, Cafés sind geschlossen. In der Fußgängerzone erwartete uns ein wenig mehr Leben. Hier waren doch noch einige Souvenirgeschäfte und Tavernen geöffnet. Sehr schön der große Platz, um den herum sich einige Restaurants angesiedelt haben. Hier kann man sitzen und den Tag verstreichen lassen. Die Preise sind allerdings auch schon sehr denen in Deutschland angepasst, teilweise sogar höher.

Geht man bis zum Ortsende, das in die Hauptstraße Richtung Nea Potidea einmündet, sieht man auf der linken Seite einen Taxistand, dem gegenüber ein wunderbares Süßwarengeschäft liegt (Café Dramis) Ca. 15 Tische stehen hier draußen an einem sehr günstigen Platz: Sonne bis ca. 17.30 Uhr. Und der Apple-Pie (kleine runde Apfel-Küchlein mit Streußeln) ist unwiderstehlich! Meine Oma hätte ihn nicht besser backen können. Dazu ein Cappuccino oder ein Frappé (kalter Kaffee) - ein Gedicht! Allein dafür sind wir noch 3 x hierher gekommen. Die Preise auch noch sehr akzeptabel.

Nach Tagen des Ausruhens und Wanderns liehen wir uns schließlich einen 125er Roller (war erstaunlicherweise im Hotel günstiger als im Ort Pefkochori, obwohl der Rollerverleih im Nachbarort Hanioti war und wir mit einem PKW dorthin gebracht wurden.)
Als Tourist sollte man mit Helm fahren, obwohl es kein Grieche tut, doch die Polizei hat ein Auge auf Touristen.
Nun ging es zunächst über den Berg hinter unserem Hotel. Die Straße führte uns durch wunderschöne Landschaft (in den Wäldern jede Menge Bienenkästen aufgestellt für den guten Griechenland-Honig und Beutel an den Pinien, um dort Harz für den Retsina zu sammeln) über eine kaum befahrene Straße nach Paraskevi. Ein kleines Dorf, das wir nur auf dem Roller sitzend anschauten, denn wir merkten, dass auch hier Katz und Hund sich gute Nacht sagten.
Weiter ging es nach Loutra. Romantik pur! Auch hier alles verlassen, aber der kleine Strand unglaublich idyllisch. Ein paar Aussteiger scheinen sich hier ihre Häuser auf die großen Felsen im Meer gebaut zu haben, griechische Musik schallte aus dem einen Haus heraus und untermalte damit die Stimmung noch mehr. Vor diesen Häusern ein sehr kleiner Strand, über den Weg zur Kaimole hinweg dann auch ein etwas größerer. Schöner feiner Sand. An der winzigen Strandpromenade eine Taverne, die in sich zerfällt (aber tolles Fotomotiv), daneben eine, die nicht besucht, aber noch geöffnet war. Cappuccino 3,50 EUR! So schön es dort war und so versucht man war, sich dort niederzulassen, die Preise waren eher abschreckend. Also genossen wir einfach nur die Schönheit dieses Fleckchens, bummelt noch ein wenig am Meer entlang und entdeckten dann noch einen kleinen Naturhafen für einige wenige Fischerboot. Daneben eine kleine Kirche. Fotos, Fotos, Fotos!
Nach Loutra fuhren wir weiter nach Nea Skioni. Hier hatte uns der Tourismus wieder! Viele Geschäfte (alle geschlossen, da Mittagsruhe) und viele schöne Tavernen direkt an der Uferpromenade, die auf hungrige Gäste zu warten schienen. Ein tolles Fischrestaurant am Ende der Fußgängerzone auf der rechten Seite mit einem großen Balkon über dem Meer. Wir haben die Qualität der Speisen nicht getestet, aber das Lokal war gut besucht, was ja auch was besagt. Auf jeden Fall eine top Lage!

Von Nea Skioni führte uns der Weg wieder über die Berge (Hinweisschild „Hanioti“) über Hanioti (Apple-Pie essen) nach Pefkochori.

Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen, den von Reiseführern so viel gelobten Ort, das Bergdorf Fourka zu besuchen.
Die Straßenkarten sind relativ armselig, die Beschilderung an den Wegen manchmal auch nur unzureichend, sobald man die Hauptverkehrswege verlässt. Dann findet man, wenn man welche findet, nur Schilder in kyrillischer Schrift und kann diese nur entschlüsseln, wenn man die griechische Bezeichnung für den Ort schon mal vorher gesehen hat.
So fanden wir dann auch nicht den auf der Karte eingezeichneten Weg von Kriopigi nach nach Fourka sondern mussten die Küstenstraße entlang bis nach Kallithea fahren bis. Dieser Ort war nicht sehr ansprechend, was wir allerdings nur vom Durchfahren beurteilen können. Zwei riesige Hotelkomplexe lagen auf dem Weg, die überhaupt nicht in das Landschaftsbild und die sonstige Architektur passten.
Der kleine Ort Kriopigi gefiel uns jedoch auf den ersten Blick ganz gut, obwohl auch er vorwiegend aus der einen Hauptstraße zu bestehen schien, an der sich Tavernen und Geschäfte angesiedelt hatten. Aber er machte irgendwie einen gemütlichen und sauberen Eindruck.
Dann durchfuhren wir den Ort Kassandria, das Geschäftszentrum der Insel. Leider haben wir auch hier keinen Stopp eingelegt, obwohl der Ort wirklich lebenswert erschien. Geschäfte jeder Schattierung, viele Cafés, eine schöne Fußgängerzone - also mir gefiel die Stadt, die allerdings nicht am Meer liegt, aber man ist doch in kürzester Zeit auf der einen oder anderen Meerseite, sofern man motorisiert ist.
Von Kassandria aus fuhren wir dann weiter zur westlichen Küstenseite der Halbinsel, indem wir den Ort Siviri rechts liegen ließen, den Badeplatz Skála Foúrkas erreichten, von dort links abbogen zu dem viel gelobten Dorf Foúrka. Irgendwie hatte ich hier den Eindruck, in eine Kleingartenanlage geraten zu sein. Sehr adrett, sehr sauber, aber zumindest um diese Jahreszeit wieder einmal kein lebenswerter Ort. Wir hielten nicht einmal an, so wenig reizvoll erschien es uns hier. Das Bergdorf Palioúri, das wir am nächsten Tag anfuhren, erschien mir wesentlich attraktiver, wenn auch hier für den normalen Touristen keine Attraktivitäten wie Tavernen, Cafés, Geschäfte geboten wurden. Um diese Jahreszeit sind die Griechen eben wieder unter sich und man spürt förmlich, dass sie es auch bleiben wollen.
Von Fourka aus fuhren wir nach Kassandrinó (netter Ort, einige Fotos war er wert - aber auch nur zwei Gaststätten, die an diesem Sonntag sehr gut besucht waren - von Griechen aus der Umgebung. Verkehrstechnisch sehr schwierig, aber mit einem großen Parkplatz am Ortsende konnte man diesen wöchentlichen Andrang bewältigen).
Der auf der Karte eingezeichnete Weg von Kassandrino nach Kryopigi war zunächst landschaftlich sehr reizvoll, wurde aber für uns Rollerfahrer am Ende zu einer Zitterpartie, weil das letzte steil bergab führende Straßenstück eine einzige Schotterpiste war. Wir haben es dennoch heil überstanden. Am östlichen Küstenstreifen fuhren wir entlang bis nach Polychrono - ein größerer Touristenort, jetzt jedoch auch ziemlich einsam. Der Strand nicht sehr attraktiv im Ortsbereich, etwas außerhalb schon - dort sehr ursprünglich. Im Ortsbereich durchfließt ein schmaler Rinnsal vom Meer kommend den Strand in der Mitte, so dass die Liegemöglichkeiten ziemlich eingeschränkt sind. Außerdem ist die Strandpromenade sehr schlecht angelegt worden. Sämtliche Treppen, die zum Strand hinunter führten, waren ausgebrochen, da sie offensichtlich ohne geeignetes Fundament angelegt worden waren. Während mein Mann sich am Strand erholte, durchlief ich den Ort, meine Schritte hallten in den leeren Straßen wider, so dass es mir fast unangenehm war, hier durch zu gehen. Aber ich konnte mir vorstellen, dass es in der Saison hier recht turbulent zugeht. Wir fanden kein Café, in dem wir eine Kleinigkeit hätten zu uns nehmen können, so dass wir uns im Supermarkt mit einem Schoko-Riegel den ersten Hunger stillten und reumütig nach Hanioti zurückkehrten, um dort unseren Apfelkuchen zu genießen.
Am letzten Tag, an dem wir uns den Motorroller geliehen hatten, fuhren wir weiter zur Südspitze der Halbinsel. Nur einige Kilometer hinter Pefkochori trafen wir auf einen sehr idyllischen Naturhafen bei Chroussou, in dem viel Müll abgeladen war, aber auch einige Schiffe vor Anker lagen, vorwiegend Fischerboote, doch auch eine mittelgroße Yacht. Auf der Mole zwischen Meer und Hafen standen ein paar Pinien und darunter einige Wohnmobile und einige Schrott-Autos. Hafen, Pinien, blauer Himmel, Meer - hier gab es Fotomotive en masse. Sehr ruhig, ab und zu fuhr ein Auto mit Touristen vor, die kurz ein paar Fotos machten und dann wieder davon brausten. Der Strand hier war ein Gedicht, fast wie an der Südsee (so stelle ich ihn mir da jedenfalls vor), allerdings unglaublich viel Wespen, die nicht stechen, wenn sie sich nicht bedroht fühlten, aber da sie überall um einen herumflogen, waren sie ständig in Gefahr und so wurde ich dann auch einmal gestochen. Das war zwar halb so schlimm, aber das ständige Gesumme um den Körper, um den Kopf, ließ uns dann doch nach einer knappen Stunde wieder aufbrechen. Schade, denn hier hätten wir uns gerne noch ein bisschen länger aufgehalten.
Wir erreichten nun kurz darauf das Dorf Paliouri - ein Dorf, wie man es sich vorstellt. Zum Teil sehr alte Häuser, die von z.T. sehr alten Menschen bewohnt wurden. Aber sehr einsam, sehr ruhig, doch schön anzusehen.
Weiter gab es nun nichts Neues mehr zu sehen und wir fuhren den westlichen Küstenstreifen entlang bis zum Dorf Kalandra. Steile Wege charakterisieren das Stadtbild. Der Esel ist hier immer noch treues Transportmittel sowohl für Menschen als auch für Waren. Ein schöner Dorfplatz mit einem Cafe - das Cafe leider menschenleer. Ebenso das nächste Café, das ein paar Treppenstufen unterhalb des Dorfplatzes lag. Schade - alleine dort zu sitzen - das wollte uns auch nicht gefallen. Ein paar Schulkinder kamen zurück aus der Schule, ein paar Alte überquerten die Straße - ansonsten wieder ein Ort - menschenleer und im Winterschlaf. Die Kirche ist noch ein Foto wert, ansonsten kann man dann auch schnell wieder abfahren und zu neuen Abenteuern aufbrechen.
Durch den Ort Mendi fuhren wir auch in der Hoffnung, uns hier noch ein wenig am Strand zu sonnen. Aber dieser Ort ist wirklich nicht sehenswert. Zum Strand gelangt man gar nicht, da ein Haus an das andere gebaut wurde und als dort nicht-ansässiger Tourist oder Einheimischer hat man keine Chance auf Meerblick.
Also auch hier wieder mit Vollgas davon.
Noch einmal Abschied nehmen von Loutra, dann wieder über Nea Skioni nach Hanioti und dann zum Hotel.
Abschließend: 14 Tage viel Sonne, wenig Menschen, viel Freude! Super Urlaub! Meine Empfehlung!

Kater Charlies Brief

Liebe Mama Antonietta,
ich wollte dir doch mal sagen, wie es mir inzwischen so ergangen ist.

Also nach dieser furchtbaren Kiste, in die sie mich eingesperrt haben (den Typen mit der dunklen Stimme und den lauten Schritten hasse ich noch heute dafür!), wurde ich in einem Zimmer mit kalten, glatten Steinen wieder herausgelassen. Da bin ich sofort in dieses Becken gesprungen, was ich zu Hause auch hatte. Man, war ich fertig! Balu ist gleich ins Katzenklo geflitzt, ich dachte, der bekommt einen Herzschlag.

Als es dann dunkel und ganz ruhig wurde, bin ich raus aus dem Becken und habe mich erst einmal umgesehen. Mein oberstes Ziel war es, ein tolles Versteck zu finden, wo mich diese komischen Zweibeiner nicht entdecken würden. Und stell dir vor: Ich fand es. Also kroch ich schnell hinein und habe mich fortan mucksmäuschen-still verhalten. Ich hörte wohl, dass die unbehaarten Zweibeiner meinen Namen riefen, aber bin ich denn blöd? Nee - ich blieb in meinem Versteck. Nur nachts habe ich mich rausgewagt, um mal Pipi zu machen oder ein bisschen was zu fressen. Obwohl ich gar keinen rechten Appetit hatte. Du hast mir doch so gefehlt! Und ich habe dem Zweibeiner mit der lauten Stimme zweimal eine dicke Wurst auf den weichen Boden vor seiner Schlafstelle gelegt. Das war meine persönliche Rache!

Balu ließ sich inzwischen weich klopfen, das habe ich mitbekommen. Der Zweibeiner mit der lieblichen Stimme hat ihn immer gelockt, ihm Fressen ins Klo gereicht (das hat der Kerl auch noch angenommen, der Blödian!), ihm das Fell gekrault. Na, ein bisschen neidisch war ich ja doch, denn das Schmusen fehlte mir sehr.

Und dann kam der Tag, an dem Balu mich verraten hat. Stell dir vor. Der entdeckt mich und will auch in mein Versteck krabbeln. Aber da passten wir beiden natürlich nicht hinein. So wurde der Zweibeiner, der sich immer um uns bemühte, auf ihn aufmerksam und plötzlich verschwand mein Versteck und sie fanden mich. Man, war das Geschrei groß. Der böse Zweibeiner sah mich an, da habe ich mich gleich wieder so erschreckt, dass ich durch die ganzen Zimmer in das hinterste flüchtete. Da fand mich dann die liebliche Stimme und säuselte mir ins Ohr. Dann berührte sie auch noch mein Fell und in dem Moment habe ich mich dann auch verliebt. Mir gefiel das Kraulen und das nette Ansprechen so gut! Habe mich gekugelt vor Freude und die Pfoten des Zweibeiners abgeleckt. Also dieser Zweibeiner, der ist wirklich toll! Der spielt auch immer mit mir. Es gibt da so eine Maus mit Fell dran - sieht aus wie eine echte. An der habe ich viel Spaß! Der nette Zweibeiner schießt sie mir weg und ich hole sie zurück und lege sie wieder vor ihn hin. Das Spiel könnte ich stundenlang spielen!
Balu kommt inzwischen auch manchmal aus seinem Versteck (er hat jetzt ein neues, nämlich unter den Schüsseln, in die immer Wasser fließt). Der guckt mich aber immer nur verständnislos an, wenn ich Freude an den kleinen Spielchen zeige.
Das Tollste ist übrigens, wenn der nette Zweibeiner mir die Fleischstangen, die du, liebe Mama, mir sonst auch immer gegeben hast, in kleine Stücke pflückt und diese auf dem herrlich glatten Boden entlangschießt. Da kann ich so richtig hinterher hechten und sie dann noch fressen.
Apropos Fressen: Die stellen mir immer komisches Futter hin. Die harten Körner, die ich zu Hause auch immer bekam, schmecken mir hier irgendwie nicht so richtig. Liegt vielleicht an der Luftveränderung. Dann bekomme ich manchmal Fressen aus Dosen. Das ist so matschig - mag ich nicht. Und um das zu zeigen, verscharre ich es dann erst mal demonstrativ. Komisch, dem Balu scheint das zu schmecken.
Und stell dir vor, wenn ich bei denen aus dem Fenster schaue, sehe ich überall Grün, das sich herrlich im Wind bewegt. Abends tanzen Insekten vor dem Fenster. Leider komme ich da nicht dran. Und komische Tiere laufen vor der Tür herum. Die sind so stachelig und der nette Zweibeiner stellt denen immer das Fressen hin, das ich nicht mochte. Also spannend ist es hier schon, wenn nur der doofe Zweibeiner nicht da wäre. Aber den klopfe ich auch noch weich.
Gestern habe ich mit dem netten Zweibeiner auf dem Kissen gelegen und in so einen viereckigen Kasten geschaut, in dem sich laufend was bewegt. Man, habe ich mich da wohl gefühlt! Bis dann plötzlich so ein lautes Klingeln zu hören war. Diese Geräusche hier machen mich ganz verrückt! Ständig erschrecke ich mich vor irgend etwas und muss schon wieder in meine Lieblingsecke hinter dem Nachtlager des netten Zweibeiners sausen.
Sogar Balu hat es gestern gewagt, ganz kurz einmal auf das Plätzchen des netten Menschen zu springen. Aber der ist ja ein richtiger Schiss-Hase. Der findet den doofen Zweibeiner auch voll daneben.
Und stell dir vor: endlich haben die es auch kapiert, dass ich soooo gerne das braune süße Zeug esse, was die immer im Knisterpapier haben. Hmmm, das durfte ich gestern mal schlecken, das war gut! Heute morgen habe ich es dann sogar mal gewagt, von dem doofen Zweibeiner was von der Kralle zu schlecken. Das war so ein hell-gelbes cremiges Zeug, das er sich jeden Morgen auf sein Fresschen schmiert. Das duftete einfach so köstlich, das ich nicht widerstehen konnte. Es ist gut gegangen. Der Zweibeiner hat mich nicht noch einmal gepackt und ich glaube, ich kann jetzt auch dem vertrauen.
Also, liebe Mama Antonietta. Du siehst, es geht mir gut. Ich denke, ich kann mich an dieses neue Zuhause gewöhnen. Aber dich und euch werde ich bestimmt nie vergessen. Vielleicht kommst du uns mal in ein paar Wochen besuchen?

Ich schicke dir einen ganz lieben Schnurrer!

Charlie

Fortbildung für die Sinne

Unterricht in der Volkshochschule (vhs) muss nicht immer trocken sein, wie einige Lehrgänge, die unter der Rubrik „Gesundheit“ angeboten werden, beweisen. Man kann einen der zahlreichen Kochkurse belegen oder sich Wissenswertes über Bier, Wein und Whisky sowohl in der Theorie als auch in der Praxis aneignen. 
Ich erzähle an dieser Stelle beispielhaft über den Kurs „Schokolade und Wein – eine süße Versuchung“. Er wird von einem Weinbetriebswirt  für jeweils 10-15 Teilnehmer angeboten. Der Mann hat in Heilbronn Weinmarketing studiert und berät und betreut in dieser Funktion in erster Linie Winzer, unter anderem in den Bereichen Marketing und Vertrieb. In seinen vhs-Kursen „Käse und Wein“ und eben „Schokolade und Wein“ bildet er aber auch Weinliebhaber zu Weinkennern aus. 

Die Kombination von Schokolade und Wein scheint dabei zunächst sehr ungewöhnlich, aber der Kursteilnehmer lernt recht schnell, dass gerade dieses Paar alle Sinne anspricht. Beide Komponenten des Kurses wecken die Sinne „Sehen“, „Riechen“ und „Schmecken“. Die Schokolade genießt man zusätzlich noch durch das „Hören“ und „Fühlen“. Tatsächlich lässt sich die Qualität der Schokolade am „Knack“-Geräusch beim Brechen eines Stücks bemessen. Für den Lehrgang werden ca. zehn verschiedene hochwertige Weine von trocken bis süß zu ebenso hochwertigen Schokoladensorten mit einem Kakaoanteil von mindestens 30 Prozent zur Verkostung kombiniert. Der Kursleiter legt dabei besonders Wert auf die Aromen-Harmonie von Wein und Schokolade. So wird zum Beispiel ein fruchtig-blumiger Muskateller-Wein mit einer fruchtig, südländisch-aromatischen Schokolade mit Orangenschalenstückchen verkostet. Um den Duft der Schokolade am intensivsten wahrzunehmen, sollte man übrigens an der Bruchkante riechen. Zur Verkostung wird dann ein kleines Stück Schokolade in den Mund genommen, durch Kauen zerkleinert und aufgeschmolzen und danach im Mund mit einem Schluck Wein vereint. Wein und Schokolade entwickeln dadurch einen völlig neuen Geschmack, es kommt zu einer wahren Geschmacksexplosion an der Mundschleimhaut. Zu jedem Wein, jeder Schokolade gibt der Weinbetriebswirt fachkundige Informationen zu Herstellung und Anbau . Die Schokoladensorten stammen übrigens allesamt aus einer Schokoladenmanufaktur in Gundelsheim. Der Chocolatier dort hat sich auf die Herstellung von Schokoladen spezialisiert, welche hervorragend mit Wein harmonieren. Mit seinen „Essigschleckerle“-Pralinen hat er es sogar in das Guinness Buch der Rekorde geschafft. 

Dort hinein gehörten eigentlich auch die Teilnehmer dieses vhs-Kurses. Denn wer in zweieinhalb Stunden so viele Wein- und Schokoladensorten verkostet, ohne hernach ziemlich betrunken den Raum zu verlassen, dem gebührt eine solche Ehre.

Zahnbürsten-Liebe

Will nicht jeder von irgendjemandem geliebt werden?

Eltern lieben ihre Kinder, die Kinder ihre Kuscheltiere. Der Mann liebt seine Frau, die Frau – wen auch immer. Aber: Wer liebt eigentlich - zum Beispiel die Zahnbürste und liebt auch sie? 

Wenn sie in ihrem Schneewittchen-Sarg liegt, kann sie schon sehr schön sein, geradezu verlockend. Bin ich mehr der Maso-Typ, wähle ich die „harte“, die Softies unter uns entscheiden sich wohl eher für die „weiche“. So oder so. Eine gute Figur hat sie, nimmt man sie in die Hand, fährt ihre Rundungen entlang – ein schönes Gefühl. Dann die Borsten – wow. Mit geschlossenen Augen die Fingerkuppen über ihre rauhe Oberfläche fahren lassen, ein prickelndes Gefühl! Blinde könnten vermutlich die geheimen Botschaften lesen, die die Nylonstoppeln senden. 

Was sagt mir aber die Zahnbürste, die Schöne? Nimm mich! Dann verwöhne ich sie, creme sie ein, die matschige Konsistenz schmiegt sich an die Borsten, dringt bis zum Körper meiner Schönen vor. Jetzt scheint sie eine Krone zu tragen und strahlt, denn sie fühlt sich geliebt von ein bisschen wohl duftender Chemie. 
Doch sie wirklich lieben, die Zahnbürste, das tue nur ich. Schmeißt sie sich doch richtig ins Zeug für mich. Schenke ich ihr lange genug meine Aufmerksamkeit, widme ihr ein paar Minuten Zeit am Tag, sorgt sie dafür, dass ich diesen blöden Typ mit dem kreischenden Bohrer nicht ertragen muss und dass mein Atem kussfrisch bleibt – das kann schließlich nie schaden. 

Liebe Zahnbürste, ja ich liebe Dich. Ohne Dich wäre mein Leben ein anderes, ein einsameres, ein schmerzhafteres. Auch wenn Du mich nicht allzu lange begleitest, verspreche ich Dir, Dich nicht zu vergessen. Vielleicht wirst Du mal ein wenig Platz machen müssen für die weniger schöne Konkurrenz, die nur mit Watt ihre Dienste verrichten mag. Aber Du wirst immer die erste Wahl, meine große Borsten-Liebe bleiben. Versprochen ist versprochen.